
Du bist nun fast sechs Wochen in Helsinki. Was für Momente oder Eindrücke kleben dir am meisten vor dem „inneren Auge“?
Ich war vor ein paar Tagen im Supermarkt und wollte an der Kasse den offenen Betrag von 0,51 Euro bezahlen. Ich gab der Kassiererin das Geld passend. Diese schaute mich etwas verdutzt an und meinte dann, dass sie kein Ein-Cent-Stücke annehmen würde. Ich hatte das schon mal gehört, dass in Finnland kleines rotes Münzgeld nicht so hoch im Kurs steht und im Supermarkt gar nicht erst angenommen wird. Ich hatte davon gehört, und jetzt habe ich das zum ersten Mal erlebt.
Und was denkst du dazu?
Ich finde es komisch. Ich meine, Geld ist doch Geld. Mir fiel da dieses alte deutsche Sprichwort ein „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Ich mag das Sprichwort nicht sonderlich, aber mir erscheint das Ablehnen von rotem Münzgeld doch eher merkwürdig.
Und sonst?
Das Tanzstudio. Wir proben jeden Tag von 9:00 – 15:00. Da HIAP und Zodiak beide in der Cablefacotry zu Hause sind, gehe ich oft nur für den Supermarkt aus dem Gebäude.
Du siehst also gar nicht viel von Helsinki?
Nein, auf eine Art nicht. Helsinki ist für mich derzeit drei Institutionen: HIAP, Zodiak, Teak. Ich pendle zwischen diesen dreien hin und her. Manchmal sitze ich dafür in der U-Bahn. Die U-Bahn hat orange Hartplastiksitze. Das Orange ist jedes Mal ein kleiner Schock für mein Auge. Es ist ähnlich grell, wie das Orange des Fotos mit dem das Stück, das ich hier entwickle, Colour, Colour.
Würdest du nach Helsinki ziehen?
Das ist jetzt ein sehr abrupter Sprung. Was für eine Frage. Ähm, hm, ja, ich glaube ja.
Warum?
Hm, weil Helsinki eine komische – und ich meine komisch durchaus positiv hier – also, eine komische Mischung ist. Eine komische Mischung aus etwas das fast altmodisch daherkommt, voller Traditionsbewusstsein, etwas Folkloristisch anmutend, und dann auf der anderen Seite auch hochmodern und gestylt erscheint. Das ist eine komische Mischung. Auch im Hinblick auf :Teil der nordischen Länder aber eben doch nicht „einfach“ Skandinavien.
Kannst du noch kurz was zu dem Foto sagen, das du heute zeigst?
Auf dem Foto sieht man mein Nokia-Handy, dass ich von HIAP für die Zeit meiner Residenz bekommen habe.
Warum hast du es fotografiert?
Weil es ein altes Nokia ist, dass sich so kein Mensch mehr kaufen würde. Es hat keine Fotokamera. Mein deutsches Handy – das ist ein Vodafone – hat auch keine Fotokamera. Ich kann deswegen nicht spontan Fotos machen, wenn ich in der Stadt unterwegs bin und die Fotos dann hinter her auf den Blog stellen.
Was sieht man noch auf dem Foto?
Meine Hand.
Ist das wichtig?
Ja. Ich arbeite in meinen Choreografien viel mit Händen und Gesten. Habe ich dir erzählt dass die Performerinnen gestern mit offenen Haaren performt haben?
Nein, das hast du nicht. Ist das etwas Besonderes für dich?
Ja. In Deutschland werden offene lange Haare sofort mit Pina Bausch assoziiert.
Mochtest du es, dass die Performerinnen offene Haare hatten?
Ja, ich könnte mir vorstellen, dass das auch so in der fertigen Choreografie ist.
Was sieht man noch auf dem Foto?
Einen „humidifier“. Er macht die Luft des Studios feucht. Denn mein HIAP-Studio hat air conditioning. Da braucht es etwas Nachhilfe mit der Luftbefeuchtung.













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