Die vielsagende Stille der Stadt.
Den Walzer von Schostakowitsch, den wir um den Esstisch im Salon der Villa tanzten.
Das Grün und das Gelb der Straßenbahnen und das Geräusch der Ampeln, wenn die Wagen an der Hauptpost den Fußgängerweg überqueren.
Der Latsipalatsi mit seiner klaren, aber nie kalten Erscheinung.
Das Café in der Bucht an der Endstelle der 4 und die Spatzen, die das Essen von den Tellern stahlen.
Die alten Turnschuhe in der Vitrine am Fuß des Olympiaturms.
Den Schiffsjungen auf der Fähre Superstar nach Tallinn, der kurz nach dem Ablegen das Deck wischen musste.
Dieses russische Gefühl an manchen Tagen in Helsinki, von dem ich nicht wusste, woher es kam und warum.
Den Popen in der orthodoxen Kirche, der vor dem Altar mit dem Computer spielte.
Der Blick aus dem Fenster des Kiasma-Museums auf die Musikhalle, wo die Paare, tanzend, hin und herschwankten und das Kunstwerk Babel aus tausend Radios die Musik dazu machte.
Namen wie Pirjo, Jukka-Pekka und Terje.
Ledas Wortschöpfungen wie Graunässe, an dem Tag, als in Tampere im Nebel der Fernsehturm wie ein Schornstein aussah.
Das Design des Kioske, überhaupt das Design.
Die Installation Balakavsky drive von Sergei Bratkov im Kiasma und ihre Art, sich in mein Herz zu schleichen.
Worte wie ravintola, kippis, pusu und poronliha.
Die Angst, den Schlüssel in meinem Zimmer zu vergessen und die Tür fällt, wenn ich draußen bin, zu.
Die Kohlmeise, die sich am Morgen in mein Zimmer verirrte.
Das Yrjönkatus-Bad, First und Second Floor.
Den Bogen des Wassers, wenn eine Frau in der Sauna die Kelle schwang und das Zischen, wenn es auf die Steine klatschte.
Den Ausspruch: "Waterrunners! It’s not allowed to run side by side."
Waterrunners.
Die Frau, die aufrecht wie eine Tänzerin Runde um Runde durch das Wasser lief und sich nicht aus der Ruhe bringen ließ von den Schnelleren, die sie überholten.
Lachs, Rentier und Broiler, Baltische Heringe, gefrorener Sanddorn und Lakritze, Salmiakpastillen, Salmiakeis, Salmiakschokolade und Salmiakschnaps.
Den Dom am Ende des Fensterausschnitts und sein kaltes, klares Licht in der Nacht.
Das Geräusch der Züge, das von Tag zu Tag lauter wurde, weil das Laub von den Bäumen fiel.
Die Studentinnen der Universität in Turku und ihre klugen, nie verlegenen Fragen.
Die Brücke über die Eisenbahn und die Signallichter am Ausgang des Hauptbahnhofs.
Die Silhouette der Gebäude an der Töölönlahtibucht in der Nacht.
Und von denen die Finlandia-Halle, Geburtsort Europas in seiner neuzeitlichen, leicht makelhaften Gestalt.
Die Menschenkette um das Zelt der Afghanen, die laut und deutlich „Abschiebung verhindern“ rief.
Die Gabe meines Übersetzers, Helsinki für mich zu übersetzen.
Den Betonfuß des uralten Baumes in der Parkanlage neben dem Botanischen Garten.
Den Botanischen Garten an einem Samstag und die Granatapfelblüten unter dem Glasdach.
Den kleinen Jungen neben dem Becken mit den Koi, auf dessen T-shirt Ticket to heaven stand.
Die Poliklinik an einem Sonntagabend und die Schwester, die mich an allerlei Geräte anschloss, die piepten und blinkten und analysierten.
Die Öfen in der Villa , die ich gerne geheizt hätte.
Das Glitzern der Wege in der Nacht hinter dem Hakaniemi.
Das Nebelhorn in der Dunkelheit und sein tiefer, ins Erdinnere weisende Ton.
Die Frau, die nachts auf der Etage polterte wie ein Einbrecher, weil sie, völlig betrunken, das Schlüsselloch der Tür Nr. 4 nicht fand.
Die Buddhafrau in der Sauna der Villa Kivi, der Kelle und Eimer angewachsen schienen an den nackten Körper.
Serhys Ausspruch: „Thats my Helsinki!“, als wir durch die Aleksis-Kivi-Straße gingen und ich mich erinnerte, dass in den Achtzigern in Magdeburg aus unerfindlichen Gründen ein Club so hieß, in dem die Jugend den Weltuntergang herbeitrank, der dann doch ausfiel, worauf Jukka-Pekka lachte und sagte, das passt ja, Kivi starb jung und trank reichlich, aber er war auch ein großer Dichter, was der Jugend in Magdeburg eher abging.
Die tanzenden ukrainischen Frauen und Männer im Fernseher der kleinen Wohnung und das Leuchten in den Augen der Zuschauer auf dem finnischen Sofa.
Kallio.
Die Kneipen von Kallio.
Die Frauen in der Stammkneipe meines Übersetzers und ihre Dialoge, von denen ich kein Wort verstand und trotzdem wusste, was sie sich zu sagen hatten.
Die Musicbox in der winzigen Kneipe Pup Sidie, aus der Carola ihre sentimentalen Lieder sang.
Der Obere und der Untere See von Tampere und die Werktore mitten in der Stadt.
Die Uhr im Latsipalatsi, die von außen aussieht, als wären ihr die Zeiger entflohen, um unterwegs die Zeit anzuhalten.
Die endlosen Unterführungen, Malls und Passagen im Zentrum der Hauptstadt, die, traurig wie alle Malls mit ihrem billigen Konsumschrei, im November doch vor Nässe und Kälte schützen.
Die Fähre von Suomenlinna und die müden Leute auf dem Weg zurück nach Hause.
Die Chinesinnen in den rosa Kindercapes auf der Insel zwischen den Kanonen.
Die Chinesinnen in der Suppenküche der Markthalle.
Die Suppen in der Suppenküche der Markthalle.
Die Augen der Samin am Hafen.
Das Knacken der Holztapete, wenn der Wind um die Villa fegt.
Die Linie 4 abends um neun am Katajanokan terminali, wenn die letzte Fähre aus Tallinn angelegt hat.
Und alles, was ich vergessen habe.
Ich geh jetzt mit den Serviererinnen schnurstracks in Richtung Flughafen. Hei hei!













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