In meiner Kindheit war die dunkle Jahreszeit fest mit den Essener Lichtwochen verbunden. In der Adventszeit fuhren wir „in die Stadt“, also ins Zentrum, um die zu Motiven geformten Lichterketten zu bewundern. Es gab eine Menge Lichtersterne und Lichterschneeflocken, aber auch anspruchsvollere Kompositionen, denn gewöhnlich hatten die Lichtwochen ein Thema, auf das die leuchtenden Formationen abgestimmt waren. Nicht immer war das Thema aus dem Stand zu erkennen, und es hatte auch keinen deutlichen Bezug zum Winter oder zu Weihnachten. Ich erinnere mich noch, daß ich in einem Jahr eine leuchtende Micky Maus vorfand: bis heute weiß ich nicht, in welches Themenfeld sie gehörte. In der Partnerstadt Tampere leuchten dieses Jahr Speedy Gonzales und ein Disney-Küken neben massenhaft Schneeflocken, Pferdchen, Lebkuchen, Herzen und ähnlichen Figuren. Ich glaube, das Thema in Tampere hat mit Internationalität zu tun, es ist mir sogar gesagt worden, ich habe es sofort wieder vergessen. Auf das Thema kommt es auch nur zweitrangig an. Wichtig ist, daß etwas leuchtet, denn es ist nach den paar Wochen, die ich jetzt hier bin, schon mehrere Stunden länger dunkel als am Anfang.
Weil ich in Tampere einen privilegierten Wohnort habe, konnte ich die Eröffnung vom Balkon aus verfolgen. Erst wurde eine Fackelperformance aufgeführt, dann wurden Reden gehalten, dann erlosch die gesamte Beleuchtung des Platzes, die ziemlich hell ist, und es gab ein Feuerwerk. Noch nie habe ich vom Balkon aus so gut ein Feuerwerk sehen können. Es dauerte fünf Minuten, es steigerte sich zunächst, dann kam eine etwas entspanntere Phase, dann kulminierte es in einem äußerst pathetischen Schluß. Nach dem Feuerwerk verharrte man noch auf dem dunklen Platz, eine andächtige Minute lang verharrte man, dann gingen die Lichtfiguren an, und die Menge zerstreute sich in den Straßen, um die Beleuchtung zu bewundern, um das Thema herauszufinden, um noch schnell etwas einzukaufen.
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