Über Actopolis

Traditionelle demokratische Institutionen sind in die Krise geraten, während die zivilen Stadtgesellschaften spätestens seit Occupy, Gezi-Park oder Syntagma-Platz in Bewegung sind. Rufe nach dem guten Leben jenseits von Austeritätspolitik, nach einer vielschichtigen Öffentlichkeit, die diesen Namen verdient, nach Gemeinschaften, die sich nicht über Abschottung definieren, werden lauter und intensiver. In dieser Situation etabliert ACTOPOLIS. Die Kunst zu handeln ein transnationales Testfeld für urbane Alternativen.

Viele Stadtgesellschaften befinden sich aktuell im Modus der Verunsicherung. Das Goethe Institut im internationalen und Urbane Künste Ruhr im regionalen Maßstab antworten auf die Bedingung der Fragmentierung der Realität mit der Bildung von dezentralen Netzwerken. ACTOPOLIS verbindet Künstler, Urbanisten und Aktivisten aus südosteuropäischen Ballungsräumen und dem Ruhrgebiet in einem gemeinsamen Produktionslabor, denn Fragen nach der Zukunft des urbanen Lebens können nicht mehr allein lokal bewältigt werden. ACTOPOLIS ist ein Aufruf zum Handeln und Mitgestalten der Stadt – über Disziplinen, Landesgrenzen und kulturelle Unterschiede hinweg.

Die Leitidee dahinter wie auch das konkrete Ziel von ACTOPOLIS ist nicht das große Einzelereignis, sondern die Weitergabe von Erfahrung und die gemeinsame Entwicklung von künstlerischen, urbanistischen und aktivistischen Werkzeugen. Unter der künstlerischen Leitung von Angelika Fitz und Katja Aßmann und gemeinsam mit Ko-Kuratoren aus sieben Städten soll im ACTOPOLIS Labor der Blick auf aktuelle urbane Fragestellungen geschärft und Handlungsstrategien getestet werden. Intervention und kritische Reflexion, beides zeichnet ACTOPOLIS aus. Das Besondere dabei ist, dass die einzelnen Projektideen bereits während ihres Entstehungsprozesses ausgetauscht werden (2015), bevor sie in lokalen Interventionen in Athen, Belgrad, Bukarest, Ankara/Mardin, Oberhausen, Sarajevo und Zagreb umgesetzt werden (2016). Im dritten Jahr (2017) werden die lokalen Ergebnisse in einer überregionalen Wanderausstellung, einer Konferenz und einer Publikation gebündelt und reflektiert. Die transnationalen Arbeitsprozesse und die Wege zur lokalen Umsetzung können im Blog der Webseite mitverfolgt und kommentiert werden.



Glossar

Mehr als zwei Jahre nach Projektbeginn und 16 Monate nach dem „Lab“ in Oberhausen liegt aus allen beteiligten Städten reichhaltiges Material vor. Vom April bis in den Spätherbst 2016 wurden mehr als 45 Projekte realisiert. Das Ergebnis einer – gemeinsam mit den Beteiligten vorgenommenen – Analyse dieses reichhaltigen Repertoires an Handlungsoptionen mündete im ACTOPOLIS Glossar. Diese Begriffe und ihre offenen Definitionen fassen die grundlegenden Themen und Methodeen von ACTOPOLIS zusammen und dienen seither als flexibles, kontextübergreifendes Raster für die Vermittlung der Projekte.

"Bildung ist die Produktion und Reproduktion von Kultur und Gesellschaft, indem bestimmte Kenntnisse und Narrative legitimiert und andere gleichzeitig entwertet werden. Innerhalb der globalen Wirtschaft ist sie eine für produktive Machtbeziehungen unabdingbare Ware und eine Methodee zur Organisation von Arbeitsteilung.

Als Instrument zur Hinterfragung der den Lehrkanon bestimmenden Kräfte und zur Geltendmachung eigener Sichtweisen zu Geschichte, Kunst, Gender und Gesellschaftsschicht kann Bildung auch para-akademisch sein. Mit diesem Werkzeug können nicht nur Funktionsweisen und Auswirkungen von Machtbeziehungen oder Wissensformen untersucht werden, sondern auch bestimmte Narrative infrage gestellt und gleichzeitig neue erdacht werden."
Elpida Karaba, Actopolis Athen, Projekt: The Soft Power Lectures
"Jegliches Erbe – sei es natürlich, historisch, national oder kulturell – bezieht sich auf einen bestimmten Wert oder eine Bedeutung, die natürlichen Ressourcen, Flora und Fauna, einem Ort, einem Ereignis, einem Bauwerk, einem Artefakt oder einer Erinnerung von einer Gruppe, einem Staat oder der Gesellschaft insgesamt beigemessen werden. Bei dem Erbe kann es sich um Bauten wie Häuser, Friedhöfe, Fabriken und Denkmäler handeln oder um immaterielles Erbe, d. h. lebendiges Kulturerbe wie darstellende Künste, Rituale, gesellschaftliche Gepflogenheiten, einzelne Erzählungen, mündliche Überlieferungen und Ausdrucksformen, Sprache, digitalisierte Kulturgüter, traditionelle Handwerkskunst sowie andere Kenntnisse und Praktiken.

Die UNESCO-Welterbekonvention von 1972 entstand aus zwei unterschiedlichen Bewegungen, von denen sich die eine auf den Erhalt von Kulturstätten konzentrierte und die andere mit Naturschutz befasste. Wichtigstes Ziel des Abkommens ist es, das Kultur- und Naturwelterbe zu erhalten, zu schützen und über die Generationen weiterzugeben."
Danijela Dugandžić, Actopolis Sarajevo, Projekt: Actopolis Sarajevo
"Infrastrukturelle Entscheidungen sind das Fundament unseres Zusammenlebens: Infrastrukturen ermöglichen nicht nur Handlungen, sondern steuern auch die Handlungsmöglichkeiten. Sie erleichtern bestimmte Handlungen und erschweren andere. Infrastrukturen regeln Zugang und Teilhabe in vielen Bereichen der Gesellschaft. Aufgrund ihrer Größenordnung und unterschiedlicher (politischer und wirtschaftlicher) Interessen entziehen sich infrastrukturelle Entscheidungen häufig der politischen Kontrolle. Darüber hinaus können Infrastrukturen die Umstände für ihr Funktionieren erschweren. Oder anders gesagt: Weil es Häuser gibt, wohnen Menschen in ihnen, weil es Straßen gibt, fahren Autos vorbei, weil es Banken gibt, gibt es Banküberfälle."
geheimagentur, Actopolis Oberhausen, Projekt: Building A New City
"Die ganze Welt besteht aus Arbeit – wenn wir damit die Gesamtheit der globalen menschlichen Anstrengungen für die Erzeugung von Waren und Erbringung von Dienstleistungen meinen. In unseren Gesellschaften ist Arbeit Sinn und Zweck des Lebens; sie reicht in jede menschliche Aktivität hinein und durchdringt sie. Lohnarbeit sollte jedoch von schöpferischer Arbeit unterschieden und als wiederholter, nie endender Prozess definiert werden, der auf die Erfüllung von Konsumbedürfnissen ausgerichtet ist.

Schöpferische Arbeit ist dagegen kein Mittel zum Zweck, sondern ein Prozess, bei dem ein dauerhaftes Objekt entsteht. Wir werden heutzutage ständig gedrängt, uns über unsere Arbeit zu definieren und einwandfrei zu funktionieren, um den gesellschaftlichen Anforderungen zu entsprechen. Indem wir die Rolle von „Arbeitnehmer/innen“ annehmen, internalisieren wir ein zweckdienliches Denkmodell, in dem es als normal gilt, alles und jedes als potenzielles Mittel zu begreifen, das einem bestimmten Zweck dient. Im ökonomischen Diskurs setzen wir nicht nur den Begriff „Wert“ mit „Gebrauchswert“ gleich, sondern geben auch den auf menschliche Bedürfnisse bezogenen inneren Wert auf. Indem wir uns derartigen Bedingungen unterwerfen, akzeptieren wir, zu Maschinen im Produktionskreislauf von „Lohnarbeit“ und ständiger (Selbst-)Ausbeutung durch oft unsichere und prekäre Jobs zu werden. Was sind wir dann? Arbeitende oder Arbeitstiere?"
Ana Dana Beroš, Actopolis Zagreb, Projekt: Invisible Belonging
"In der Tierwelt ist Migration eine Verhaltensanpassung, eine Bewegung über längere Entfernungen und natürliche Grenzen hinweg, die einzelnen Tieren und Tiergruppen das Überleben in neu entdeckten Gebieten sichert. In den vorherrschenden Diskursen über menschliche Migration werden Auswandernde und Flüchtlinge jedoch als Schlüsselfiguren dargestellt, die das Konzept der Nationalstaaten und geopolitischen Grenzen abschaffen, indem sie Bewegungsfreiheit als ein essenzielles Menschenrecht einfordern. Die in Form einer postkolonialen Gegenbewegung stattfindende transnationale Migration in die westlichen Industrieländer wird noch nicht als Regulierungsinstrument des Arbeitsmarktes anerkannt.

Es gibt verschiedene Arten von Migration – nomadische und zirkuläre, Flüchtlinge, Aussiedlerinnen –, die alle freiwillig oder unfreiwillig Teil der leichten Infanterie des globalen Kapitalismus sind. Ihre zwiespältige Situation spiegelt sich darin wider, dass sie entweder als Symbolfiguren für das „Angstmachende“ dargestellt werden, die für die (un)bewusste Angsterzeugung bei anderen verantwortlich sind, oder aber als Menschen, die grundsätzlich auf Fürsorge und Unterstützung angewiesen sind. Das Hinterfragen der widersprüchlichen Sichtweisen auf Migranten und Migrantinnen sollte zu einem neuen historischen Bewusstsein führen, da diese offensichtlichen Randfiguren es verdienen, als zentrale Triebkraft für politische Veränderungen in unserer Zeit betrachtet zu werden."
Ana Dana Beroš, Actopolis Zagreb, Projekt: Invisible Belonging
"Nationalismus kann als Glaube oder politische Ideologie zum Ausdruck kommen, wobei sich Einzelpersonen mit ihrer Nation identifizieren und durch die Abgrenzung von anderen definieren.

Einige behaupten, dass der Gedanke der Nation ursprünglich eine Reaktion auf den Kolonialismus war. Heute dient der Begriff als Grundlage für die Verfassungen der meisten Staaten der Welt, insbesondere der demokratischen. Im Grunde sind Nationen „imaginierte Gemeinschaften“."
Boba Mirjana Stojadinović, Actopolis Belgrad, Projekt: Formally Informal
"Vom Verbot, im Bus in den vorderen Reihen zu sitzen, bis hin zur Beschulung ihrer Kinder in ungeheizten Räumen sind Menschen in allen städtischen Gebilden der Segregation ausgesetzt. In Megalopolen sind alle Formen der Ghettoisierung zu beobachten und selbst in Dörfern sind kleinere getrennte Gesellschaften zu finden. Städtische Segregation äußert sich in (manchmal paradoxen) Phänomenen: Menschen leben zurückgezogen hinter hohen Zäunen und geben in ihrem Sicherheitswahn viel Geld für den Schutz ihrer Privatsphäre aus, während ganze Stadtviertel nicht einmal Zugang zur Grundversorgung mit fließendem Wasser haben.

In den Favelas von Rio de Janeiro hat man nichts als einen wunderbaren Blick von den Hügeln auf die Stadt, in Bukarest ist der gesamte Süden und damit fast die halbe Stadt unterprivilegiert und in Norwegen gibt es Menschen, die um ihr Recht auf Sonne kämpfen. Zu den Aspekten einer Politikgestaltung, die Segregation und die damit einhergehende Entfremdung verhindern kann, gehören großzügige öffentliche Räume, die gerechte Verteilung von Ressourcen und eine inklusive Architektur."
Raluca Voinea, Actopolis Bukarest, Projekt: Bucharest-South
"Selbstorganisation ist die tägliche Erzeugung einer nicht auf Profit ausgerichteten Atmosphäre der Selbstbefähigung. Nichtinstitutionelle Individuen, die selbstbefähigt arbeiten, sind selbstorganisiert. Sie erhalten keinerlei Leistungen vom System, arbeiten aber trotzdem hart, weil sie das Bedürfnis haben, sich durch Kunst und Kultur auszudrücken und sich direkt an ein Publikum zu wenden."
Boba Mirjana Stojadinović, Actopolis Belgrad, Projekt: Formally Informal
„Sharing is caring“ ist eine häufig benutzte Redewendung, wenn man etwas hat, von dem ein Freund etwas abhaben möchte. Wir teilen nicht nur Essen, Zigaretten, Fahrscheine und Taxifahrten, sondern auch Wichtigeres wie Ideen und Gefühle. Teilen ist ein praktisches Konzept, das untrennbar mit Solidarität und gemeinschaftlich genutzten Gütern (Commons) verbunden ist.

Was passiert aber, wenn beim Teilen von Gütern und Dienstleistungen der soziale Gedanke verloren geht? Bei dem, was heute unter den Bezeichnungen Sharing Economy, Peer-Ökonomie oder gemeinschaftliche Nutzung bekannt ist, geht es vor allem darum, dass jemand sein Auto, sein Haus, seine Wohnung oder etwas Ähnliches, das er gerade selbst nicht braucht, an einen Fremden verleiht oder vermietet. Ein Aushängeschild für den Sharing-Economy-Sektor ist Airbnb, ein Online-Portal, das Zimmer, ganze Häuser oder sogar Schlösser an Reisende vermittelt. Das Konzept des Sharings stammte ursprünglich aus der Open-Source-Gemeinschaft, aber heute kann der Begriff „Sharing Economy“ irreführend sein, da die meisten dieser Tauschdienste in erster Linie profitorientiert sind."
Ana Dana Beroš, Actopolis Zagreb, Projekt: Invisible Belonging
"Sozialer Kampf entsteht aufgrund vielschichtiger Rivalitäten zwischen Gesellschaftsschichten, Ethnien, Religionen und Gemeinschaften, die durch rhizomatische Zusammenhänge gesellschaftlicher Strukturen miteinander verbunden sind. Sozialer Kampf hat sozialräumliche Auswirkungen."
Pelin Tan, Actopolis Ankara/Mardin, Projekt: Urban Commons
"Als radikale Identität, die heute gewissermaßen zum Widerstand gegen das Kapital hochstilisiert wird, ist der Süden ein kulturelles Konstrukt, das dazu dient, ethnische Diskriminierung, geografischen Determinismus und Stereotype zu rechtfertigen und unausgewogene oder repressive Machtbeziehungen zu reproduzieren."
Elpida Karaba, Actopolis Athen, Projekt: The Soft Power Lectures
"Schafe, die auf Industriebrachen weiden. Erdbeben, die Straßen- und Versorgungsnetze verändern. Umgeleitete Flüsse. Gebändigte Windrichtungen. Die Rückkehr von Nutzgärten in die Stadtzentren. U-Bahn-Netze. Lichtverschmutzung. Streunende Tiere, die sich von Abfällen ernähren. Autoabgase, aber keine Pestizide. Das Gewicht der Menschen und ihrer Technosphäre."
Raluca Voinea, Actopolis Bukarest, Projekt: Bucharest-South
"Im Krieg werden Städte zu Ausnahmegebieten; es entstehen Sicherheitszonen, neue Wirtschaftsformen und militarisierte Bereiche. Selbst ein Bebauungs- oder Masterplan ist schon zu einer Waffe geworden – entweder als Bestandteil der Kriegführung oder als ihr Ergebnis. Urbane Kriegführung ist eine moderne Form von Religion, wobei städtischer Raum, Bauwerke und Infrastruktur instrumentalisiert werden und dem Kampf dienen."
Pelin Tan, Actopolis Ankara/Mardin, Projekt: Urban Commons
"Ein Anspruch ist ein aktives Recht auf einen Ort, einen Zustand oder ein Umfeld (sei es politisch, sozial oder natürlich). Wir können ein Recht auf die Stadt, den öffentlichen Raum, auf fließendes Wasser, eine saubere Umwelt oder ein menschenwürdiges Leben geltend machen.

Dazu muss man als Einzelperson oder als Gruppe aktiv werden, um politische Entscheidungsträger und Machthabende an öffentliche Interessen und Gemeingüter zu erinnern."
Danijela Dugandžić, Actopolis Sarajevo, Projekt: Actopolis Sarajevo
"Wenn sich verschiedene Einzelpersonen in einem gemeinsamen Arbeitsprozess engagieren, um gemeinsame Ziele zu erreichen, nennen wir das Zusammenarbeit. Wir können in einem realen Raum oder online zusammenarbeiten; wir können im selben Büro oder am selben Projekt arbeiten; wir können lokal und transnational arbeiten, hierarchisch oder auf einer Ebene. Aber wenn wir eine erfolgreiche Zusammenarbeit wollen, müssen wir in einer motivierenden, offenen und aufeinander abgestimmten Umgebung arbeiten, die es uns ermöglicht, Wissen zu teilen und uns auf dasselbe Ziel zu konzentrieren.

Zusammenarbeit ist nie einfach, und wenn wir ein Kollektiv aufbauen möchten, braucht das Zeit, Energie, Vermittlung und ständige Reflexion. Meistens erfordert es auch Freundschaft und Unterstützung sowie ein großes Maß an Entschlossenheit bei allen Beteiligten. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass kollektives Handeln zu den lohnendsten Entwicklungen führen kann, bei denen alle gewinnen und Ergebnisse erzielt werden, die man allein nicht hätte erreichen können."
Danijela Dugandžić, Actopolis Sarajevo, Projekt: Actopolis Sarajevo
"Urban Collectors ist eine Plattform für Graffiti und Straßenkunst in Bukarest. Im Gegensatz zum Horten (einer Obsession, der in Rumänien nach 1989 viele Menschen erlagen, als sie sich plötzlich einer unendlichen Fülle an Konsumprodukten gegenübersahen) ist das Sammeln dem Bedürfnis zuzuschreiben, sich Dinge anzueignen und zu verstehen.

Einem Bedürfnis, sich mit bestehenden Kategorien auseinanderzusetzen und sie infrage zu stellen. Künstler/innen sammeln vielleicht Weggeworfenes von den Straßen auf und pressen es zwischen Buchseiten (Daniel Knorr); Schriftsteller/innen sammeln manchmal mündlich überlieferte Geschichten und Legenden (wobei sie ständig Orte in der Stadt und deren Ruf bestätigen oder neu definieren); Bürgermeister/innen sammeln möglicherweise die Wünsche und Ideen ihrer Bürger/innen."
Raluca Voinea, Actopolis Bukarest, Projekt: Bucharest-South
"Diese zweifelhafte Hoffnung, Dinge auf materieller Ebene zu verändern: etwas Reales, etwas Unmittelbares zu tun, vielleicht sogar mit den Händen – wie die Hand auf der riesigen Reklametafel von Hornbach, die sich an einem Gebäude in Bukarest über fünf Stockwerke erstreckt. Würde es helfen, wenn die Leute wüssten, wie viel Zeit Künstler/innen in Baumärkten verbringen?

Trotzdem. Wir wollen immer noch Dinge tun, Dinge in Gang setzen, Dinge real werden lassen. Es geht darum, die Dinge, die wir uns vorstellen, tatsächlich physisch umzusetzen, und darum, Zeit und Raum mit etwas zu teilen, das zuvor nur eine Idee war."
geheimagentur, Actopolis Oberhausen, Projekt: Building A New City
"Am Spielen gefallen uns zwei Dinge:
  1. Spaß haben
  2. Etwas vorspielen, so tun, „als ob“ – „als ob“ eine andere Welt möglich wäre, als ob wir eine neue Stadt bauen könnten usw. – das „Als-ob“ eines jeden Manifests: als ob das realistisch wäre, als ob wir etwas tun könnten. Und dann sehen, wie real es wird. Der Realismus ist das Problem, nicht die Realität.
Spielen heißt, eine Fernbeziehung mit der Realität einzugehen und sich manchmal auf halbem Weg zu treffen."
geheimagentur, Actopolis Oberhausen, Projekt: Building A New City
"Visuelles Aufnehmen ist eine körperliche Erfahrung. Obwohl die Subjektivität die Hauptakteurin ist, hängt das Bildregime vom Handeln und den Erkundungsebenen ab, was zu einer Verschiebung in der Rolle der (aufnehmenden) Person führt. Im Rahmen der Erforschung stehen Bild-
und Tonaufnahmen auch mit der Forensik in Zusammenhang, bei der Aufnahmen als bildbasierte forensische Beweise dienen."
Pelin Tan, Actopolis Ankara/Mardin, Projekt: Urban Commons
"Mit dem Erforschen befriedigt man seine Neugier. Es ist ein Prozess, bei dem man ein bestimmtes Interessensgebiet erkundet, erworbene Kenntnisse auffrischt und neue Erfahrungen macht. Dadurch soll eine Brücke entstehen, die uns von bereits bekannten Konzepten und Praktiken zu solchen bringt, die noch vor uns liegen, während gleichzeitig Bedeutung und Sinn gestiftet werden."
Boba Mirjana Stojadinović, Actopolis Belgrad, Projekt: Formally Informal
"Sprechen – eine Äußerung, ein Diskurs – ist ein bedeutungs- gebendes System. Indem es ein Narrativ durch ein anderes ersetzt, bringt es aber auch etwas zum Schweigen. Sprechen kann bestimmte Themen auf den Tisch bringen und andere obsolet machen. Damit ist ein Gespräch ein Ort des Konflikts und ein Terrain, das es zu erobern gilt."
Elpida Karaba, Actopolis Athen, Projekt: The Soft Power Lectures




Team

Katja Aẞmann

Katja Aẞmann

Artistic director Actopolis

Katja Aßmann ist eine deutsche Kuratorin und Kulturmanagerin. Sie ist Künstlerische Leiterin von Urbane Künste Ruhr, einer jungen Kunstorganisation, welche als eine der Nachfolgeorganisationen der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 gegründet wurde. Ihre kuratorische Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld von Kunst, Stadt und Öffentlichkeit.

Katja Aßmann war Programmdirektorin des Bereichs Kunst und Architektur für die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010, sowie Geschäftsführerin der Landesinitiative StadtBauKultur NRW. Nach dem Studium der Architektur und Kunstgeschichte in Bochum wirkte sie maßgeblich an der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) mit und übernahm in der Endphase die Bereichsleitung Kunst und Kultur. Neben ihren kuratorischen Tätigkeiten arbeitete sie an interdisziplinären Kunstproduktionen und Ausstellungen zu den Themen Lichtkunst, Architektur, Design und Landschaftsarchitektur.
© Pez Hejduk
Angelika Fitz

Angelika Fitz

© Pez Hejduk
Artistic director Actopolis

Angelika Fitz ist Kulturtheoretikerin und Kuratorin, seit 1998 mit eigenem Büro in Wien. Sie entwickelt Projekte an den Schnittstellen von Kunst, Architektur und Urbanismus für internationale Museen, Kommunen und Kulturinstitute. Viele dieser Projekte produzieren Plattformen für den Wissenstransfer zwischen Kunst, Forschung und Gesellschaft.

Seit 1998 hat sie mehrere Projekte im südasiatischen Raum realisiert, wie die Kunst-im-öffentlichen-Raum-Reihe „Boxwallahs“, die Ausstellung „Kapital & Karma“ und die Plattform „Import Export“. 2003 und 2005 war sie Kommissärin für den österreichischen Beitrag zur Architekturbiennale São Paulo. Zuletzt kuratierte sie die Ausstellung „Realstadt: Wünsche als Wirklichkeit“ sowie in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut die Plattformen „We-Traders: Tausche Krise gegen Stadt” und „Weltstadt: Wer macht die Stadt?” Sie ist Mitglied in zahlreichen Beiräten, u.a. im Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Bauhaus Dessau und im Kuratorium der IBA Heidelberg. Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher Publikationen; internationale Vortrags- und Lehrtätigkeit.
www.angelikafitz.at
Martin Fritz

Martin Fritz

Martin Fritz, Photo: Maria Ziegelböck
Artistic director Actopolis

Martin Fritz ist Kurator, Berater und Publizist in Wien mit Arbeitsschwerpunkten in den Bereichen ortsspezifische Kunst und Stadt, Institutionskritik und Institutionspraxis sowie Kulturmanagement und Kulturpolitik.

Martin Fritz begann seine Tätigkeit nach einem Jurastudium in den Jahren 1981 bis 1986 in den Feldern Freies Theater, Bildende Kunst und Film und als Organisator von Kunstprojekten in Wien und New York sowie in Deutschland und anderen Ländern. Unter anderem war er als Director of Operations bei der Wiedereröffnung des P.S.1 Contemporary Art Centre (heute: MoMA PS1) in New York engagiert und als Generalkoordinator der europäischen Kunstbiennale Manifesta 4 in Frankfurt am Main tätig. Ferner war Martin Fritz Managing Director von In Between - dem Kunstprojekt der EXPO 2000 in Hannover.

Als Kurator hat er unter anderem die Kunstprojekte für das Krankenhaus in Meran und die Universität Klagenfurt sowie die Ausstellung Beziehungsarbeit - Kunst und Institution zum Thema Institutionskritik und mehr im Künstlerhaus Wien realisiert. Martin Fritz war von 2001 bis 2007 Mitglied im Vorstand der International Foundation Manifesta und leitete von 2004 bis 2009 das Festival der Regionen, eine Schwerpunktveranstaltung des Bundeslandes Oberösterreich für ortsspezifische Kunst und Kultur außerhalb der städtischen Zentren. (www.martinfritz.info)

Foto: Maria Ziegelböck, Martin Fritz hat alle Rechte.

Ein Projekt des Goethe-Instituts und der Urbane Künste Ruhr
Konzept: Angelika Fitz
Künstlerische Leitung: Katja Aßmann, Angelika Fitz, Martin Fritz

Kuratorin Ankara/Mardin: Pelin Tan
Kuratoren Athen: Elpida Karaba/Glykeria Stathopoulou
Kuratorin Belgrade: Boba Mirjana Stojadinović
Kuratoren Bucharest: Stefan Gheniciulescu/Raluca Voinea
Kurator Oberhausen: Geheimagentur
Kuratorin Sarajevo: Danijela Dugandžić
Kuratorin Zagreb: Ana Dana Beroš

Projektleitung: Juliane Stegner (Goethe-Institut Athen)
Projektkoordination: Natalia Sartori (Goethe-Institut Athen)
Projektmanagement Urbane Künste Ruhr: Carola Kemme, Daniel Klemm, Christina Danick

Co-Production: Goethe-Institut Ankara (Thomas Lier, Raimund Wördemann); Goethe-Institut Belgrad (Matthias Müller-Wieferig, Frank Baumann); Goethe-Institut Bukarest (Beate Köhler, Evelin Hust); Goethe-Institut Bosnien und Herzegowina (Charlotte Hermelink); Goethe-Institut Kroatien (Katrin Ostwald-Richter, Matthias Müller-Wieferig), Theater Oberhausen (Peter Carp)

Online Projektmanagement: Internetabteilung, Goethe-Institut Zentrale München, Deutschland
Grafikdesign & Webdesign: NODE Berlin Oslo, Berlin, Deutschland (Basierend auf dem Europoly-Webkonzept und -design von Laura Oldenbourg und Micz Flor, Berlin, Deutschland)
Umsetzung Webdesign: eskima and allesweisz, Köln, Deutschland
Redaktion Web und Social Media: Tristan Biere, Berlin, Deutschland
Übersetzung ins Englische: Jane Michael
Übersetzung ins Deutsche: Dr. Achim Wurm

Grafikdesign (Actopolis Ausstellung): NODE Berlin Oslo
Ausstellungsarchitektur: Stadelmann Schmutz Wössner Architekten, Berlin
Übersetzungen und Lektorat (Ausstellungstexte): Tradukas GbR
Technische Fachplanung (Actopolis Ausstellung): Kultur Ruhr GmbH / Urbane Künste Ruhr

PRESSE


Presseanfragen
Für Presseanfragen stehen Ihnen unten genannte Kontakte zur Verfügung:



Pressestimmen
Hier finden Sie eine Liste ausgewählter Artikel über Actopolis:



Publikation
Die zweisprachige Actopolis Publikation ist beim Berliner Jovis Verlag erhältlich.

    Actopolis_Publikation_Jovis_Verlag_Berlin_2017
  • Goethe-Institut und Urbane Künste Ruhr mit Katja Aßmann, Angelika Fitz, Martin Fritz (Hg.), Actopolis - Die Kunst zu handeln, Jovis Verlag Berlin, 2017
    Broschur mit Schutzumschlag, 17 x 24 cm, 216 Seiten, ca. 160 farb. Abb., Deutsch/Englisch
    ISBN 978-3-86859-472-0