Folgende Personen sind uns in den letzten 24 Stunden begegnet: ein Ranger mit einem Plüschkatzenfisch in der Tasche; ein Ehepaar aus Savannah (Georgia), das aufgrund einer ärztlichen Verschreibung mit dem Zug reisen musste; ein Vize-Sheriff der so nett war, uns mit seinem Auto ins Hotel zu fahren; ein ehemaliger Bürgermeister, der heute ein Bestattungsunternehmen führt und einen Cabrio-Cadillac Baujahr 1968 fährt; die Chefredakteurin der Wochenzeitschrift „The Tribune“, die auch Schreibwaren in ihrer Redaktion verkauft; die Inhaberin von Radio KZZJ 1450 AM und Mutter von zwei Kindern in der National Guard und eine Fußballspielerin Namens Bailey, die wir sofort „Miss North Dakota“ genannt haben.
North Dakota! Bailey ist gerade aus Kalifornien hierher gezogen und arbeitet mit ihrer Familie im "Cornerstone Café". Unmittelbar vor ihrem Lokal markiert ein Obelisk die geografische Mitte Nordamerikas („Geographic Center of the North American Continent“). Faszinierend, solange man nicht nach Rugby gekommen ist, um pedantisch zu sein. Einige behaupten, dass sich die genaue geografische Mitte in einem Sumpfgebiet 3km entfernt von der Innenstadt. Andere behaupten, dass der Mittelpunkt weiter östlich liegt, in der Nähe von (einem Ort, an dem ich all unsere wettenden Fußballspieler in Urlaub schicken würde, statt sie nach Miami fahren zu lassen). Dritte Version: Der Obelisk, der 1931 vom Lions Club in der Nähe eines Restaurants errichtet wurde, ist 1971 verschoben worden. Die Restaurantinhaber haben ihn einfach mitgenommen und vor ihrem neuen Lokal hingestellt. Geographie im Dienste des Handels: Es lebe Amerika!
North Dakota! Der Bundesstaat in den USA mit der niedrigsten Arbeitslosenquote. Der Erdölboom im östlichen Teil des Landes lockt Menschen aus ganz Amerika hierher. Dank einer sehr umstrittenen Förderungstechnik (Hydraulic Fracturing oder auch „Fracking“ genannt) werden heute täglich 500.000 Barrels gewonnen. Die Immobilienpreise in Rugby haben sich verdoppelt und man findet keine Arbeitskräfte mehr: Selbst McDonald’s in Williston rekrutiert sine Mitarbeiter 200 Meilen entfernt von hier. Dafür ziehen neue Leute nach Nord-Dakota, weil hier die Wirtschaft blüht. „Selbst das Gefängins hier in Rugby, das vor einigen Jahren aufgrund mangelnder Gefangenen schließen musste, läuft heute gut“ erzählt uns stolz Dale G. Niewoehner. Er besitzt den berühmten Cadillac aber auch noch drei Kirchen, ein Bestattungsunternehmen und eine Krawatte mit Sternenbannermuster.
North Dakota! Erinnert ihr euch noch an den Film „Fargo – Blutiger Schnee“ der Gebrüder Cohen? Jene Stadt, an der wir heute Nacht mit dem Zug vorbeigefahren sind – ist eine Metropole im Vergleich zu Rugby. Hier gibt es nur eine Zeitung, einen Radiosender, ein Motel, keine Taxis und 2.879 Einwohner. Der letzte Mordfall in der Stadt geht auf das Jahr 1963 zurück, der Himmel hier ist dreidimensional und im Winter ist es schrecklich kalt. Es ist also kein Zufall, dass gerade Deutsche und Norweger Ende des 19. Jh hierher zogen und Ackerland erwarben: Sie fühlten sich einfach daheim. Heute noch stellen diese beiden Ethnien 78% der Bevölkerung dar. Karl hat herausgefunden, dass hier auch eine Frau Hoffmann wohnt und hat sich mit ihr verabredet. Als sie dann doch nicht zum vereinbarten Termin erscheint, brummt mein Reisegefährte irgendetwas über die deutsche Unzuverlässigkeit.
North Dakota. Dieser US-Bundesstaat wurde durch die amerikanische Eisenbahngesellschaft (Great Northern Railway 1890-1970) stark geprägt und der Name des Zuges, der uns bis hierher gefahren hat und uns morgen wieder abholen wird, hebt es klar hervor: „Empire Builder“. Dieses Amerika des 21. Jh. scheint weiterhin unter einem Bann von Norman Rockwell zu stehen, auch wenn die Blondinen bekleideter sind. Vielleicht hängt das mit der Kälte zusammen.

Beppe Severgnini









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ho visto il video, e come é un tren merci. Grazie per condividere la immagine, perché é molto curioso vedere 280 vagoni insieme.
Argentina ha bisogno di questi treni.
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